Außenhandel in einer neuen Weltwirtschaftsordnung: auf eine Tasse Kaffee mit KOCH CEO, Nicolas Menge.
Über den Außenhandel in Zeiten des Protektionismus.
Herr Menge, wie bewerten Sie die aktuelle weltwirtschaftliche Lage und ihre Auswirkungen auf den Außenhandel?
Die Weltwirtschaft ist heute widerstandsfähig, aber deutlich komplexer als noch vor einigen Jahren. Wachstum ist weiterhin vorhanden, gleichzeitig nehmen geopolitische Spannungen, Zölle, regulatorische Anforderungen und Unsicherheiten in den Lieferketten spürbar zu. Für den Außenhandel bedeutet das: Internationales Geschäft funktioniert nicht mehr nach dem Prinzip „Bestellung raus, Ware rein, Problem erledigt“. Es braucht nicht nur fundierte Marktkenntnis, belastbare Netzwerke und die Fähigkeit, Risiken früh zu erkennen. Compliant zu arbeiten ist die neue Herausforderung. Gleichzeitig entstehen neue Chancen auf dem Weltmarkt. MERCOSUR oder das Freihandelsabkommen mit Indien öffnet neue Möglichkeiten.
Was erwarten Kunden in dieser Situation von einem starken Exportpartner?
Kunden erwarten heute weit mehr als nur ein gutes Angebot. Sie suchen einen Partner, der auch unter schwierigen Rahmenbedingungen handlungsfähig bleibt, Lieferketten absichert, Alternativen schnell identifiziert und Verlässlichkeit in die gesamte Abwicklung bringt. In einem Marktumfeld, das von politischen Einflüssen, schwankender Nachfrage und neuen Handelsbarrieren geprägt ist, werden Schnelligkeit, Transparenz und belastbare Prozesse zu echten Wettbewerbsvorteilen. Anders gesagt: Der günstigste Preis gewinnt nicht automatisch den Deal – oft gewinnt der Partner, der das Geschäft auch wirklich sicher ins Ziel bringt. Außerdem ist ein hohes Maß an Flexibilität in allen Bereichen gefragt.

„Die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland ist unsere Aufgabe.“
Welche Herausforderungen prägen den Außenhandel aktuell besonders stark?
Wir sehen vor allem vier große Faktoren: erstens geopolitische Unsicherheit, zweitens eine zunehmende Fragmentierung der Märkte, drittens strengere regulatorische Anforderungen und viertens den hohen Druck auf Lieferfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit. Internationale Handelsströme ordnen sich neu, Unternehmen diversifizieren ihre Beschaffung und viele Kunden bewerten Risiken heute viel sensibler als früher. Das verändert die Spielregeln. Wer jetzt erfolgreich sein will, muss nicht nur international vernetzt sein, sondern auch operativ exzellent arbeiten und in kritischen Momenten pragmatische Lösungen liefern. Genau das trennt im Tagesgeschäft solide Anbieter von echten Problemlösern. Herausfordernd wird es auch bleiben, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. Hier ist eine klare Linie der Politik gefragt.

Welche Rolle spielen Netzwerk, Erfahrung und persönliche Betreuung in diesem Umfeld?
Eine größere denn je. In einer volatilen Weltwirtschaft zählen nicht nur Daten und Prozesse, sondern auch belastbare Beziehungen. Ein starkes internationales Netzwerk schafft Geschwindigkeit, eröffnet Alternativen und erhöht die Stabilität in der Lieferkette. Erfahrung wiederum hilft dabei, Entwicklungen richtig einzuordnen und nicht bei jeder Marktbewegung hektisch den Kurs zu ändern. Und persönliche Betreuung ist der Punkt, an dem aus einem Lieferanten ein strategischer Partner wird. Genau hier setzen wir an: mit kurzen Wegen, klarer Kommunikation und dem Anspruch, nicht auf kurzfristige Einmalgeschäfte zu setzen, sondern auf nachhaltige und verlässliche Geschäftsbeziehungen. Diese Positionierung passt auch klar zum bisherigen Markenbild von KOCH als langfristig orientiertem Exportpartner.
Was ist aus Ihrer Sicht heute der entscheidende Erfolgsfaktor im Außenhandel?
Der entscheidende Erfolgsfaktor ist die Fähigkeit, Komplexität für den Lieferanten als auch für den Kunden beherrschbar zu machen. Außenhandel ist heute weit mehr als der grenzüberschreitende Verkauf von Produkten. Es geht um Beschaffungssicherheit, Timing, regulatorische Sorgfalt, logistische Resilienz und wirtschaftlich tragfähige Lösungen. Wer all das miteinander verbindet, schafft echten Mehrwert. Unser Anspruch ist deshalb klar: Wir wollen für unsere Partner nicht nur Export organisieren, sondern internationale Beschaffung und Versorgung so aufsetzen, dass sie auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld stabil, effizient und zukunftsfähig bleibt. Außerdem ist es wichtig, sich möglichst branchenübergreifend aufzustellen, um keine Abhängigkeiten entstehen zu lassen.
